Das Staunen begann bereits auf dem Weg zum Flughafen: Die booking.com App weist Hotelpreise ab 1.560 Euro aus, und um 3.100 Euro wäre auch etwas zu haben. Nein, nicht auf der 5th Avenue in New York. In Barcelona, für zwei Nächte, 27. Februar bis 1. März, alles korrekt eingetragen.

Hakt da etwas im booking.com-Server? Mein Mann macht auf seinem Smartphone den Gegencheck. Er bekommt immer die besseren Deals, meint er. Diesmal nicht: Selbes Preisniveau, Tendenz sogar noch leicht darüber. Willkommen in der Realität rund um die größte Mobil-Konferenz der Welt –  Mobile World Congress in Barcelona. Ich bin auf dem Weg dorthin – und zu meiner ersten “4 Years From Now”.

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Die Hotelpreise sind kein Irrtum, sondern die logische Folge der 108.000 KonferenzteilnehmerInnen, die in diesen Tagen nach Barcelona strömen. Mobile World Congress ist das weltweit bedeutendste Treffen der Industrie, organisiert durch die GSMA und mit Schauplatz in der Mobilfunk-Welthauptstadt Barcelona. Die Messe füllt neun Hallen und elf Freiluft-Zonen in den Ausstellungszentren Fira Gran Via und Fira Montjuïc.

Von vernetzten Autos, virtueller Realität, der nächsten Smartphone-Generation und erstaunlichen App-Ideen bis hin zu 3D-Druck, Datenschutz und Backend-Lösungen gilt: Was immer existiert oder eines Tages existieren könnte, ist hier zu besichtigen. Ist 5G die Zukunft? Was entnehmen wir dem Hype rund um die Wiedergeburt des legendären Nokia 3310? Wer steckt hinter  Pokémon Go? – Um diese und tausende weitere brennende Fragen drehte sich die viertägige MWC Konferenz.

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MWC ist die übergreifende Plattform für zahlreiche Themenkonferenzen, die Arena meiner Wahl war 4 Years From Now: 4YFN ist ein programmierter Ideenaustausch für Startups, Investoren, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.  Die 4YFN 2017 war bereits die vierte Auflage der Veranstaltung und zog rund 19.000 TeilnehmerInnen aus 160 Nationen an. 700 Investoren saßen mit 600 Startups aus allen Teilen der Welt zusammen. 245 Sprecher lieferten auf acht Bühnen insgesamt 150 Stunden Qualitätsprogramm.

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Gefühlt müsste man bei jedem 4YFN-Einzevent persönlich dabei sein, aber das ist physikalisch unmöglich. Zwischen Telefonaten und E-Mails sag ich zumindest ein paar der Vorträge. Als unglaublich hilfreich zum Netzwerken erwies sich die 4YFN Matchmaking App für alle TeilnehmerInnen. Es schien als seien alle hier: Techcrunch-Chefredakteur Mike Butcher; Ravi Mattu von der Financial Times; Michael Speigelman von Netflix; Alibaba´s Terry von Bibra; Fernando Fanton von Just Eat; Sir Martin Sorrell von der WPP Group; Vertreter von Facebook und Google; Exponenten der Automotive-Riesen in Diskussionen zur Mobilitäts-Zukunft; Panels und Workshops so gut wie aller großen Mobilfunk-Provider…

Virtual Reality war das heißeste unter vielen heißen Themen: Die Warteschlange vor der Seat VR Experience war schon früh am Morgen lang und wurde im Laufe des Tages niemals kürzer. Das Warten lohnte sich allerdings. Für mich persönlich war es die beste VR-Show ever – auch wenn Stimmen sagen, die Samsung-Präsentation in der Haupthalle sei noch gewaltiger gewesen.

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Das Programm der Startup-Messe überraschte durch die starke Teilnahme aus neuen Märkten: Startups aus Kolumbien, Argentinien, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Tunesien, Marokko, Kenia, Georgien und Armenien präsentierten erstaunliche Lösungen. Als Beispiel diene Securella aus Marokko: Ein Wearable mit einem Alarmknopf, der bei Bedrohungen Alarme an Angehörige, Nachbarn, Menschen in der Nähe, Polizei und Rettungskräfte übermittelt. Order auch Talking Bookz aus Nigeria, eine Mobilapp zum Lesen und für Audiobuch-Download.

GetPayAd aus Pakistan ist ein gesponserter Werbedienst, der Geringverdienern hilft, sich Telefonminuten durch Werbekonsum zu verdienen. SenzMate aus Sri Lanka ist eine Internet of Things-Anwendung, die Farmern hilft, ihre Bewässerungsanlagen mit der Wetterentwicklung zu synchronisieren, um bessere Produktivität zu erzielen. Es ist schön und lehrreich, zu erleben, wie der so genannte “Rest der Welt” auf Augenhöhe in den Wettbewerb mit den führenden Industriestaaten tritt und gleichberechtigt Platz auf der Weltkarte der Startups besetzt.

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Der Eindruck, den ich aus Barcelona mitnahm, deckt sich jedenfalls mit dem Befund, dass Startup-Unternehmen nach Zahl und Bedeutung überall in der Welt auf dem Vormarsch sind. 
Fortsetzung folgt – und ich freue mich auf die nächste 4YFN.

Nötiges P.S.: Nein, wir haben keine vierstelligen Beträge für ein Hotelzimmer bezahlt. Auf wundersame Weise materialisierte knapp vor der Landung in Barcelona ein Zimmer mit Bad in einem Hostel für unter 100 Euro – und nein, nicht mal die 93 Euro war das Zimmer wirklich wert, aber wir waren trotzdem froh, es gefunden zu haben. Die zweite Nacht verbrachten wir in Tarragona, einem pittoresken Städtchen eine Stunde Zugfahrt südlich von Barcelona. Für 67 Euro pro Nacht. In einem 4-Sternhotel.

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Falls jemand fragt – die Sieger der 4YFN17 Challenges und Wettbewerbe heißen:

Disrupted by Mobile

WeFarm (London, UK) – Crowdsourcing von lebenswichtigen landwirtschaftlichen Informationen für Farmer in abgelegenen Regionen ohne Internetzugang.

Internet of Things

hu:toma (London, UK) – ein Marktplatz für die Gestaltung, Finanzierung und Vermarktung von Deep Learning-Chatbots.

Digital Media

TheMotion (Madrid, Spain) – bietet Videotechnik für Unternehmen, die aus ihren digitalen Produktkatalogen schnell und umstandslos Werbevideos für einzelne Produkte umsetzen wollen.

Women4Tech’s Hack_D_Gap Global Challenge

TeamEQ (Spain) – ein einzigartiges real-time HR-Analysetool, das Teams hilft, ihre Gesamtperformance und kollektive Intelligenz zu steigern.

Global Mobile Challenge (EU Mobile Challenge)

ShopBack – Singapurs führende Cash-Back Website ist eine Plattform für e-Commerce-Einkäufe mit  Treuebonus.

Best British Mobile Startup 2017

SafeToNet – Ein Cybersicherheitsunternehmen, das Kinder vor Missbrauch und schädlichen Social Media-Inhalten schützt. Das Konzept kombiniert selbstlernenden Algorithmen, Datamining, Mustererkennung und Spracherkennung, um menschliche Denkprozesse nachzuvollziehen.

Helena Rosandić, Startaparat, Wien

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